Alle Beiträge von Alexander

Die Geschichte der zwei Männer, stumm und schreien, blind und sehend

Zwei Männer sitzen am Straßenrand und schreien aus Leibeskräften. Was war geschehen? Warum schreien sie so sehr? [teaserbreak]Blind, was für eine schreckliche Diagnose. Nichts geht mehr, austherapiert. Es gibt keine weiteren Behandlungsmöglichkeiten. So trafen sich zwei Männer mit gleichem Schicksal. Abfinden mit der Diagnose, keine Arbeit mehr, abhängig von der Unterstützung der Familie. So sitzen sie am Straßenrand. Sie hören dem Lärm des Verkehrs und der Menschen zu und doch nahmen sie ihn eigentlich gar nicht wahr. Ihre Gedanken kreisen um ihre Zukunft und das alles, was sie nicht mehr tun können, als sich der pulsierende Lärm der Straße verändert und sie aus ihren kreisenden Gedanken riss.

Gesprächsfetzen komen an ihr Ohr. Wer ist die hochgestellte Persönlichkeit, die hier entlang kommt? Menschen stritten über theologische Spitzfindigkeiten, während Kinder schreien und Menschen kreischen. Was nur ging da gerade ab? Sie reckten die Köpfe und lauschen.

Dann geschah es, das entscheidende Wort war gefallen. Der Meister geht auf dieser Straße an ihnen vorbei. In dem Moment ihrer Wahrnehmung flammt neue Hoffnung auf. Hatten die Menschen nicht von ihm erzählt? Unmögliches sollte möglich sein, seine Hände können heilen. Er kann alles. So und so ähnlich erzählten die Menschen von ihm. Doch wie sollten sie bei all dem Geräusch und Lärm, der hörbar riesigen Menschenmenge auf sich aufmerksam machen? Schreien?

Und so saßen sie am Straßenrand und fingen, wie auf Kommando, an mit schreien. Sie schrien so laut sie konnten: Meister, hilf uns bitte. Die vorbeilaufenden, Menschen stutzen und verboten ihnen zu schreien. Aufhören, nur nicht den Meister stören. Der Meister ist beschäftigt und hat für euch keine Zeit. Ihr seid nicht wichtig. So und so ähnlich argumentierten die gesunden Menschen um sie herum. Aufhören mit schreien? Nein!

Und je mehr die Menschen versuchen sie zum Schweigen zu bringen, umso lauter ist ihr Schrei. Ihre zwei Stimmen müssen ihre fehlenden Augen ersetzen. Nur nicht aufhören, ist er vorbei, dann ist alles vorbei. So schwoll der Chor der Stimmen immer weiter an. Die beiden blinden Männer schrien und die Menschen um sie herum schrien die beiden an. Dann plötzlich Ruhe. Absolute Ruhe, wäre eine Stecknadel zu Boden gefallen, sie wäre gehört worden. Die Blinden stoppen ihren Ruf irritiert. Waren die Menschen weg? Dabei spüren sie die Anwesenheit der Menschen, warum also die Stille? Während sie noch in die Stille hineinlauschen, hören sie eine klare Stimme und die Aufforderung zu kommen.

Diese Stimme zog sie an, als wäre ein unsichtbares Band geknüpft, so folgen sie ihr bis sie vor ihm standen. Das musste er sein, sie zogen die Luft durch die Nase, ihre Köpfe versuchen ein Bild von ihm zu zeichnen.

„Was wollt ihr, was soll ich euch helfen?“ war seine Frage. Aufregung und Nervosität will sich breit machen, die Kehle ist wie zugeschnürt, als sie mühsam hervorbrechen: „Wir wollen sehend werden.“ Es ist nur ein Moment des schweigens, doch für die beiden Blinden Männer ist es eine Ewigkeit. Wird er helfen, stimmen die Geschichten die erzählt wurden? Doch alles das ist nur ein Bruchteil, als sie nacheinander seine Hände in ihren Gesichtern spüren. Es ist ein angenehmes Gefühl, von ihm berührt zu werden. Sanft streicht er über ihre Augen. Als sie sie wieder öffnen, sehen sie sein Gesicht.

Dieses Gesicht, es war als würden sie neu geboren. Sie sahen sein Mitleid und den Wunsch ihnen zu helfen. Noch nie hatten sie in solche Augen der Liebe geschaut. Unter lautem Jubel stimmten sie in die nun wieder lärmende Menge mit ein.

akute Sprachlosigkeit

Mein Blog fällt heute aus. Der Grund ist eine akute Sprachlosigkeit.

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Es heißt das Frauen das Dreifache an Worten pro Tag benötigen. Heute fühle ich mich, als ob ich bereits das Fünfache meiner Worte für diesen Tag verwendet habe.

So fehlen mir die Worte für den Blog und ich schweige.

Urban Prayers ein Stadtprojekt der Münchner Kammerspiele

Ein Freund hat mich auf eine interessante Veranstaltung in München aufmerksam gemacht. Idee und Konzept sind ungewöhnlich. Urban Prayers läuft noch bis zum 14.7.2013 als ein Stadtprojekt der Münchner Kammerspiele. [teaserbreak]Urban Prayers ist ein Stadtprojekt in und für München. München hat sich in den letzten 20 Jahren verändert. Die Beschaulichkeit der Stadt ist durch Migration und Globalisierung gewichen. Das früher traditionelle christlich geprägte Leben der Bürger hat sich verändert.
Zum ersten Mal seit es München gibt, leben hier laut Statistik mehr Nicht-Christen als Christen. Das bedeutet aber nicht, dass Religion unwichtiger geworden ist. Im Gegenteil. Ich habe den Eindruck, dass in München sehr viele Gläubige leben. Und diese Gläubigen prägen die Stadt, nehmen Einfluss, politisch, kulturell. Und wahrscheinlich sogar spirituell. Björn Bicker

Urban Prayers will diesem allen nachspüren. Entstanden ist ein abwechslungsreiches Konzept von Begegnungen, Konzerten, Führungen, Gastmählern an unterschiedlichen Orten in München. Björn Bicker als Autor des Stückes forscht bei Urban Prayers auch nach dem Umgang der Gläubigen miteinander und untereinander.

So will Urban Prayers nicht als Theater über Gläubige verstanden werden, sondern als Debatte und Konzert. München lebt von seinen Menschen, die Miteinander leben. Das zeigt sich auch in diesem Projekt Urban Prayers.

 

Unsere immer verfügbare digitale Datenwelt

Immer uns überall ist die digitale Datenwelt verfügbar. Alles im Handy oder im Tablet, wozu noch Landkarte und Kartenkenntnis? Die immer verfügbare digitale Datenwelt ist dein Freund und Helfer in der Not. Hier unser Bericht: [teaserbreak]Unser Navi verhieß uns noch eine kurze Fahrt. Die Gedanken fuhren bereits voraus, Pizza auf der Terasse, so die Idee. Abbruch, zurück in die Realität. Es war ein scharfes abbremsen, schnell kamen die stehenden Autos näher. Dann stand der Wagen und wir mit ihm. Warnblinker an und ein Blick in das Navi werfen. Doch unser Navi im Auto meldete keinen Stau, er konnte also gar nicht da sein. Irrten wir uns? Also warfen wir nochmal einen Blick nach vorn, auf die drei Fahrbahnen der Autobahn. Nein, ganz eindeutig, wir irrten uns nicht. Der Verkehr stand und das auf drei Spuren, soweit das Auge reichte.

Der nächste Blick galt Waze, der App in der Autofahrer einander den Verkehr melden können. Doch Waze hatte keinen Netz. So nützte uns Waze nichts, denn ohne Netz war weder senden noch empfangen möglich. Daraufhin versuchte ich zu Bayern3 zu gelangen, doch auch das mißlang.

Tablet genommen und von dort aus einen weiteren Versuch in Richtung Internet unternommen und gescheitert. Letzter Versuch,… gescheitert. Das Netz war da, aber die große Datenwelt baute sich nicht auf.

Ist es Absicht oder liegt es am mangelnden Netz, im Verhältnis zur Menge der Menschen? Erst eine Stunde später, den Stau hatten wir bereits hinter uns gelassen, war das Netz wieder da. Unser Navi im Auto hatte selbst zu diesem Zeitpunkt noch keine Meldung über Unfall und Stau.

Was nützt mir meine immer verfügbare digitale Datenwelt, wenn sie nicht da ist? Ein Schelm der böses dabei denkt.

Ein Blick in die profane Papierlandkarte und die Abwägung der Routen mittels Gehirn, ersetzte die große, weite Datenwelt und  das Navi. So ist unsere so heißgeliebte digitale Datenwelt am Ende doch nur eine Krücke die beim laufen helfen soll und mehr nicht.

Mit Worten verletzt werden oder Wunden können heilen

Wenn Menschen mit Worten verletzt werden, entstehen Wunden. Diese Wunden tun weh und heilen manchmal sehr langsam. Wir wünschen uns, dass der Andere sich entschuldigt. Doch das geschieht nicht immer. Muß ich mit der Verletzung den Rest meines Lebens klar kommen? Hier die gute Nachricht: Nein! Wunden können heilen. [teaserbreak]Immer wieder werden wir verletzt. Meistens geschieht dies ohne Absicht. Der andere sagt oder tut etwas und schon ist es geschehen, Verletzungen sind entstanden. Dass Worte verletzten können, wissen wir alle. Ist es einmal geschehen, ziehen wir uns zurück. Doch irgendwann merken wir, dass es so nicht weiter geht und begeben uns auf die Suche nach Hilfe.

Aussagen wie: „Sieh zu, wie du damit klar kommst“, sind dann wenig hilfreich. Wenn Worte verletzen, ist Heilung nötig. Heilung geschieht nur über Vergebung. Gibt es keine Vergebung, können die entstandenen Wunden nicht heilen. Die Wunde wird immer wieder schmerzen.

Vergebung ist als Erstes eine Entscheidung des Verstandes. Mit der Entscheidung zu vergeben beginnt der Prozess der Heilung. Je nach der Tiefe der Wunde dauert dieser länger oder geht schneller. Vergebung ist nicht von der Einstellung der Gegenseite abhängig. Vergebung ist ein Prozess, der zu allererst den betrifft, der verletzt wurde.

Nach der Entscheidung zur Vergebung muß diese auch ausgesprochen werden. Nicht immer ist ein Treffen beider Parteien möglich, aber dies wäre der beste Weg, damit Wunden heilen können. Auf jeden Fall ist es wichtig, die Vergebung klar und deutlich zu artikulieren. Etwas wie: “ du hast …. getan, ich vergebe dir“.

Ist dies geschehen, heißt es, seine Aussage zu beweisen. Vergebung ist der Anfang für einen Neuanfang. Deshalb ist es notwendig, einen neuen Umgang miteinander zu finden. Was ist mir wichtig und wie möchte ich in Zukunft diese Beziehung pflegen? Vielleicht ist auch eine klare Abgrenzung nötig, nach dem Motto: „Bis hierher und nicht weiter“.

Mit Worten verletzt zu werden geschieht, doch die dabei entstehenden Wunden können durch Vergebung heilen.

P.S. Jesus Christus begründet die Notwendigkeit der Vergebung in viele Texten der Bibel, z.B. Matthäus 18, 21-35.

 

 

 

Entschuldigung und der Prozess der Umsetzung

Eine junge Frau beklagte sich über die Einmischung der Familie in ihre Ehe und die Art der Kindererziehung. Ein Wort gab das andere und am Ende blieben Verletzungen auf beiden Seiten. Wie damit umgehen, um Entschuldigung bitten?[teaserbreak] Wir alle kennen das, Worte und Taten werden ausgeteilt und eingesteckt. Die Emotionen kochen hoch, so werden Dinge gesagt und getan, die später nicht zurück genommen werden können. Viel zu schnell gehen harte und ungerechte Worte über unsere Lippen. Hinterher schämen wir uns, manchmal würden wir uns lieber verstecken, aber es geht nicht.

Um Entschuldigung zu bitten ist mehr als ein Satz. Verletzungen sind entstanden, Vertrauen ist zerbrochen, Vergebung ist nötig. Einander aus dem Weg gehen ist weder sinnvoll noch empfehlenswert. So heißt es einen neuen Weg im Miteinander zu finden. Bereitschaft für einen Neuanfang ist gefragt, dazu ist es nicht hilfreich mit dem Besen unter den Teppich zu kehren. Auch wenn es manchmal eine reizvolle Alternative darstellt. Bei Entschuldigung ist der Beginn im Kopf und ein Prozess in der Umsetzung.

  • Am Anfang steht der Wille aufeinander zuzugehen, ein oder mehrere Familiengespräche sind nötig.
  • Jeder muss sich selbst ein paar Fragen zu Vergangenheit und Zukunft stellen. Was hat mir am Umgang miteinander gefallen und was nicht? Was wünsche ich mir für die Zukunft?
  • Auch wenn es scheinbar eine Seite gibt, die Schuld hat, so haben beide Seiten einen Anteil an der Situation. Das bedeutet Veränderungen für beide Seiten.
  • Jede Seite gibt etwas von ihrer Position auf. Dadurch zeigt man, das der andere einem wichtig ist.
  • Aussprechen ist wichtig: Vergebung heißt: ich vergebe dir! Entschuldigen heißt: entschuldige bitte!
  • Einen gemeinsamen Plan erarbeiten, wie es weiter geht. Vergebung heißt also, neu miteinander anfangen. Das geschieht als erstes im Kopf, ist also eine Entscheidung des Willens.

Entschuldigung ist mehr als nur ein Satz. Um Entschuldigung zu bitten ist der Anfang eines Prozesses. Im Handeln zeigt sich, ob die Entschuldigung ernst gemeint ist oder nicht, so wie beim Vergeben auch.

Die Landshuter Hochzeit und der Garten der Zünfte

An diesem Wochenende beginnt in Landshut der Ausnahmezustand für vier Wochen. Es startet die Landshuter Hochzeit. Ein volles Programm erwartet Gäste und Teilnehmende. Vom Garten der Zünfte bis zu den Ritterspielen ist eine Menge geboten. [teaserbreak]Inzwischen ist die Landshuter Hochzeit das größte Mittelalterspektakel, mit einer kleinen Besonderheit. Auf die Detailtreue des Programmes in allen Punkten wird sehr viel Wert gelegt. Von den Kostümen und Trachten, über die Kunststücke der Gaukler, die Waffen der Ritter, alles das soll so original wie irgend möglich sein. Um das zu erreichen wird geforscht und geübt.

Überall wird gefeiert, gibt es was zu sehen. So gibt es wunderschöne Innenhöfe die zu einer Reise in die Vergangenheit einladen, einer davon ist der Garten der Zünfte. (Schirmgasse 269; T. 0871- 23355)

Die Landshuter Hochzeit ist etwas Besonderes. Von Landshutern gestaltet, ist es eine Hommage an die Geschichte ihrer Stadt. Urlaub wird genommen, geübt und trainiert. Die Haare müssen wachsen und lang werden. So waren in den letzten Monaten gestandene Unternehmer plötzlich mit langen Haaren unterwegs. Ein witziges Bild, das mit Kostümen und allerlei Staffage lebendig wird.

Wer nach Landshut kommt, sollte am besten Zug fahren. Die gesamte Innenstadt ist gesperrt. Die öffentlichen Verkehrsmittel haben noch einen weiteren Vorteil. Das Bier zur Landshuter Hochzeit soll wieder sehr süffig sein. Im Garten der Zünfte gemütlich zusammen zu sitzen, zu ratschen und sich darüber zu freuen, dass es doch eine vergangene Zeit ist, so macht die Landshuter Hochzeit Spaß.

Die Vorbereitungszeit ist zu Ende. Die Generalprobe gelaufen, mögen die Spiele beginnen. Ein Zusammenschnitt vom letzten Mal, als Appetitmacher.

Das Hochwasser und die Folgen

Vor drei Wochen erlebten viele Teile Deutschlands ein Hochwasser ungeheueren Ausmaßes. Mit dem sinkenden Pegel sinken die Berichte und die Hilfe für die Betroffenen. Doch dabei sind die Folgen des Hochwasser massiv.[teaserbreak]

Während in manchen Gebieten das Hochwasser schnell wieder sank, blieb das Hochwasser in anderen Regionen viel zu lang. So wie das Hochwasser fiel, fingen die Menschen mit Aufräumen an. Vor allem entlang der Elbe sind die Berichte und Bilder dramatisch. Dabei sind es nicht so sehr die Bilder selbst, sondern das Wissen um die Folgen des Hochwassers. Die Dramatik dieser Situation vor Ort einzufangen, ist immer wieder schwierig. Sind die Bilder doch nicht in der Lage, das, was der Kameramann sieht, darzustellen. So geben die Bilder vom Hochwasser nur einen Bruchteil wieder.

Das Hochwasser bleibt nicht ohne Folgen. Häuser und Infrastruktur sind zerstört. Bei vielen Häusern wird erst der Statiker entscheiden, ob sie wieder bewohnbar sind. 10% der landswirtschaftlichen Nutzfläche standen in Sachsen-Anhalt unter Wasser. Durch die Verschmutzung des Wassers sind die Folgen besonders dramatisch. Aktuell wird geprüft, in wie weit die Böden belastet sind. Wann und in welcher Form die Böden verwendet werden können, wird sich noch klären.

Besonders schlimm war wohl die Geschwindigkeit, mit der das Hochwasser gestiegen ist. Teilweise stieg das Hochwasser innerhalb von Minuten. Auch wenn es ein kleines Werbevideo vom Maschinenring e.V. ist, zeigt es doch das Ausmaß der Zerstörung recht nüchtern.

Wenn überall und immer wieder die Hilfsbereitschaft gelobt wurde, so ist nicht nur Anfassen nötig. Finanzielle Unterstützung für die Folgen des Hochwasser sind notwendig:

http://www.aktion-deutschland-hilft.de/

Putzfrauen und ihre Arbeit

Die Arbeit von Putzfrauen wird immer erst wahr genommen, wenn sich der Dreck vermehrt. Dabei ist ihre Arbeit eine elementare Dienstleistung, die für unser Leben wichtig ist. Warum aber nehmen wir sie selbst nicht wahr?[teaserbreak]Im Restaurant sind die Toiletten nicht sauber und das Papier ist aus. Automatisch bekommt das Restaurant in unseren Augen eine negative Bewertung. Die Fenster in den Büroräumen sind dreckig, der Boden hat Flecken über Flecken und schon stellen wir uns die Frage nach der Liquidität des Unternehmens. Wir merken sofort und manchmal instinktiv, wenn es nicht sauber ist. Wir riechen es, die Nase juckt, die Stauballergie meldet sich.

Umso erstaunlicher ist daher unser Ignorieren derer, die für Sauberkeit zuständig sind. Putzfrauen sind eine Berufsgruppe, die einfach nicht auffällt. Sie putzen unseren Dreck weg, wischen um unsere Füße herum, doch wir nehmen sie nicht wahr. Wir wissen nicht, ob es ein Mann oder eine Frau war, was sie anhatten und wie sie aussahen. Schade.

Putzfrauen sind in unserer Gesellschaft viel zu oft grauen Mäusen gleich. Dabei ist die Arbeit, die sie tun, für uns wichtig. Es ist eine Berufsgruppe, ohne die es weder im Krankenhaus noch in der Schule laufen würde. Es ist eine Arbeit, die wir nicht gerne tun. Wer will sich schon mit Lappen und Putzmittel auseinandersetzen. Um so mehr genießen wir, wenn alles wieder glänzt und spiegelt.

Doch was ist mit der Entlohnung für die Putzfrauen? Putzfrauen bekommen, je nach Region zwischen 5- 15 Euro. Es ist keine wirklich gut bezahlte Tätigkeit, noch dazu in dem Verhältnis zu ihrer Bedeutung. In der Begründung für die niedrige Bezahlung wird die niedrige Qualifizierung angeführt. Doch ist es wirklich immer so?

Dabei ist unser Umgang mit Putzfrauen von ihrer Bezahlung unabhängig. Nicht ihr Gehalt bestimmt den Wert, sondern die Tätigkeit an sich. Deshalb möchte ich mich hiermit bedanken.

Vielen Dank für die Arbeit der Putzfrauen in unserem Land. Vielen Dank für den Einsatz und gerade Ecken. Vielen Dank für Sauberkeit und Engagement.

Die Guthabenverzinsung der Bank

Neulich beim Mittagessen brachte Gerson seinen aktuellen Kontoauszug inkl. Mitteilung über die Guthabenverzinsung mit. Man merkte ihm an, dass er nicht so ganz wusste, was er mit dem Inhalt anfangen sollte. Was war geschehen?[teaserbreak]Um die Mitteilung an ihre Kunden sicherzustellen, nutzen Banken den Kontoauszug für Mitteilungen. Von Zinssatzänderungen bis hin zur AGB können es viele Seite werden, die für Bankkunden zur Kenntnisnahme bestimmt sind. So war es auch bei Gerson.

In seinem Fall teilte ihm die Bank die aktuellen Veränderungen der Guthabenverzinsung mit. Er erzählte mir, was er auf seinem Kontoauszug las und bat mich doch auch zu lesen. Denn, so meinte er, was er sehen würde, sei bestimmt ein Fehler. So nahm ich seinen Kontoauszug zur Hand und fing an zu lesen. Freundlich war die Abwärtsbewegung der Guthabenverzinsung aufgeschlüsselt um am Ende eine kleine Zahl zu bringen: 0,01%

Ach, das war es. Zu lesen waren 0,01% Guthabenverzinsung. Da verstand ich dann seine Reaktion auch. Er wusste nun nicht so richtig, sollte er darüber froh sein, dass er noch 0,01% bekommt. Es könnte ja auch sein, dass seine Bank Geld von ihm verlangt, dafür, dass sie auf seine Geldwerte aufpassen. Immerhin ist die Bank tatsächlich bereit eine Guthabenverzinsung auszuzahlen. Oder sollte er sich darüber beklagen, dass er sich auf den Arm genommen fühlt?

Schaue ich auf die aktuelle Bankpolitik, dann erinnere ich mich an eine alte Geschichte zurück. Damals, so wird berichtet, konnten die Wirtschaftsbosse den Hals auch nicht voll bekommen. Die Spirale der Umverteilung von arm zu reich zerbrach ihr Land und zerstörte ihren Wohlstand.

Am Ende lachte Gerson und meinte, „so lange die Rente so hoch ist wie sie ist, brauche ich mir darüber ja keine Gedanken machen.“ Beim Blick auf die Guthabenverzinsung von 0,01% bliebt trotzdem ein schaler Geschmack zurück. Wir haben dann den Kontoauszug mit der Guthabenverzinsung in den Schredder gesteckt und in kleine Papierwürfel verarbeitet. So hatte die Mitteilung wenigstens eine wärmende Funktion beim nächsten Feuer.