Schlagwort-Archive: finanzen

SEPA, Zypern und das Geld

Schon mal was von SEPA gehört? Bis gestern abend ging es mir auch so. Nun weiß ich, dass SEPA Single Euro Payments Area ist.

Ab Februar nächsten Jahres entfallen unsere schönen kurzen Kontonummern und alles wird europaweit einheitlich. IBAN mit 22 Zeichen und BIC mit 11 Zeichen, das sind Zahlen für Menschen mit gutem Gedächtnis.

Dafür können wir in einem Geltungsbereich mit 27 EU Staaten plus Island, Liechtenstein, Monaco, Norwegen und Schweiz unser Geld ohne komplizierte unterschiedliche Überweisungsformulare hin und her überweisen.

SEPA soll alles einfacher machen. Die Zeitfenster für den Zahlungsverkehr sind dann einheitlich definiert. Es ist klar, wie lange was dauern wird. Erstmal gibt es die Möglichkeit Lastschriften auch über Landesgrenzen hinweg zu realisieren. Welche Auswirkungen SEPA auf die Kostenstruktur unserer Banken haben wird, bleibt abzuwarten.

Für alle Teilnehmer im Geldverkehr ist es also dann überhaupt kein Problem mehr, unser Geld auf Zypern anzulegen und dafür einen mehrfach höheren Zins zu erhalten. Siehe dazu die Welt am 21.3. in einem Artikel . Während in Deutschland ein Sparer inflationsbereininigt 100€ Zinsen erhielt, wurden auf Zypern für die gleiche Summe und Anlagezeit 1.852 € Zinsen gezahlt.

Mich würde interessieren, für wen SEPA und der europäische Zahlungsverkehr eine so hohe Bedeutung haben, dass sich der enorme Aufwand lohnt. Vor allem aber, ob die die davon am meisten profitieren, auch am meisten dafür zahlen.

Bitte gib Geld, habe 5 Kinder

Es klingelte an der Tür von Freunden, draußen stand ein südländisch aussehender Mann mit einer Plastiktüte in der Hand und einem kleinen Zettel. Sein einziger Satz war: “Bitte gib Geld, habe 5 Kinder”.

Dieser Satz und seine inhaltliche Verbindung blieben bei mir hängen. Wo sind wir nur angekommen, dass 5 Kinder als Grund zum Betteln verwendet werden. Anscheinend funktioniert es auch noch.

Betteln ist nichts anderes als eine besondere Art von Verkaufen. Der Bettler verkauft, i.d.R. gegen Geld, dem Spender ein gutes Gefühl. Der Bettler nutzt dazu alle erfolgreichen Marketing- und Vertriebsmöglichkeiten die ihm zur Verfügung stehen.

Ein Mensch, der bettelt, wird also nur dann 5 Kinder als Grund seines Bettelns angeben, wenn es auch funktioniert. Warum meinen wir 5 Kinder seien ein Grund um betteln zu müssen. (Stimmt, ich habe gut reden, wo wir es noch nicht mal bis zu Einem geschafft haben.) 

Für mich heißen 5 Kinder eine knappe Haushaltkasse. 5 Kinder heißen für mich auch, andere Werte zu leben. Eines aber sind 5 Kinder in Deutschland auf keinen Fall – ein Grund um betteln zu gehen.

 

Unser Umgang mit Geld und Schulden

Wie ist eigentlich unser Umgang mit Geld und Geld Schulden? Früher wurden Schulden auch als Ehrenschulden bezeichnet. Und heute? Irgendwie hat sich unsere Einstellung dem Geld anderer gegenüber geändert.

Eine Bekannte bei der Bank erzählte das Menschen mit falschen Informationen versuchen Kredite aufzunehmen wohlwissend diese danach nicht tilgen zu können. Manchmal geht es um große Beträge, doch oft sind es gar nicht die große Beträge, sondern Peanuts. Diese Peanuts werden gerne als Erklärung genommen, für die eigene mangelhafte Einstellung zur Rückzahlung. Rechnungen für Leistungen werden erst bezahlt, wenn es gar nicht anders geht. Dabei ignorieren wir, dass dies auch Schulden sind.

Doch nicht nur Banken und Geschäftspartnern gegenüber handeln wir so. Unsere Freunde erleben unsere Einstellung zum Geld auch. Wir borgen uns Geld von ihnen und “vergessen” es zurück zu zahlen. Wie ist es mit den 15€ vom letzten Monat? Kommen dir deine Freunde abhanden, weil sie sich nicht mehr trauen ihr Geld von dir zu erbitten?

Ein Wort der Verteidigung für uns Alle: Wir meinen es ja gar nicht böse. Es ist wirklich vergessen und wenn wir daran denken, dann in den falschen Momenten. Ich vermute, dass sich die Einstellung der Gesellschaft als Ganzes gewandelt hat. Unsere Einstellung dem Geld und damit den Schulden gegenüber ist anders als vor 100 Jahren. Nicht alles daran ist schlecht. Doch an unserem Umgang mit dem Geld anderer Menschen sollten wir tatsächlich nochmal arbeiten. Nicht nur jeder Einzelne, sondern wir als Gesellschaft auch.

 

Gibt es einen Unterschied zwischen den Managern der Hedgefonds, die den Euro attackieren und den Ärzten in Deutschland?

Ja, die einen beraten und planen fern der Öffentlichkeit. Die anderen gehen auf einem Kongress direkt an die Öffentlichkeit. Soviel zur Polemik.

Auf dem Kongress der niedergelassenen Ärzte in Dresden wurde die Forderung nach einer Gehaltserhöhung gleich am ersten Tag der Sitzung bekannt gegeben. Nach einer gelungenen Finanzrunde in diesem Jahr geht es gleich in die nächste. Die Ärzte berufen sich auf eine Studie und fordern nicht ein sondern neun Prozent mehr Honorar.

Die Reaktion der Öffentlichkeit ist dabei kein Wunder, ist doch diese Forderung ein Realitätsverlust ersten Grades. In meinem Umfeld waren die maximalen Gehaltssteigerungen in den letzten Jahren 3 Prozentpunkte. (Wohlgemerkt, über mehrere Jahre hinweg, nicht immer wieder neu.) Die meisten Menschen in Deutschland waren und sind immer noch froh, wenn ihre Gehälter nicht gekürzt werden.

Das Gesundheitswesen versucht an allen Ecken und Enden zu optimieren und zu sparen und unsere Ärzte wollen zu einem durchschnittlichen Honorar von 160.000 Euro noch weitere 14.400 Euro dazu. Hallo??? Ich empfehle unseren Medizinern in die Realität zurückzukehren. Das Geld, das sie fordern, müssen ihre Patienten aufbringen. Es fällt nicht einfach vom Himmel. Wenn Ärzte dann noch auf die Idee kommen, ihre Patienten mit scheinheiligen Argumenten aufzuwiegeln, dann ist der Unterschied zwischen den Hedgefonds Managern und unseren Medizinern auf Null geschrumpft.

 

Griechenland: Freiheit oder Tod ist der Wahlspruch des Landes

http://de.wikipedia.org/wiki/Griechenland

Griechenland soll sehr schön sein. Leider haben wir es im Urlaub noch nicht bis dorthin geschafft. Der Wahlspruch des Landes lautet: “Freiheit oder Tod”. Dass dieser Wahlspruch einmal in einer Finanzkrise zutreffend sein würde, hat sicher keiner erwartet. Seit Wochen ringt das Land um seine finanzielle Stabilität. Misswirtschaft und eine von Auseinandersetzungen geprägte Innenpolitik haben das Land an den Rand des Ruins gebracht.

Mobilisiert durch die Gewerkschaften gehen die Menschen immer wieder auf die Straße und demonstrieren. Ob diese Demonstrationen der richtige Weg sind, sei dahin gestellt. Nun sind drei Menschen gestorben. Sie sind verbrannt, weil Demonstranten in ihrer unkontrollierbaren Wut eine Bankfiliale, die offensichtlich nicht streikte, anzündeten und die Feuerwehr beim Löschen hinderte.

Wie immer trifft es am Ende den kleinen Mann. Den, der eigentlich nur ein sicheres Leben führen will. Der wird wieder einmal vor die unterschiedlichen Interessensgruppen gespannt und damit zum Kanonenfutter. Ich weiß nicht wie es mit Griechenland weiter geht. Heute debattiert das Parlament über das Paket der Sparmaßnahmen. Nur wenn dem heute zugestimmt wird, können die anderen EU-Länder morgen weiter an den Maßnahmen zur Unterstützung Griechenlands arbeiten.

Wird Griechenland mit wehenden Fahnen untergehen? Wir werden erleben, wie sich die Menschen in Griechenland entscheiden werden.