http://de.wikipedia.org/wiki/Strombedarf

Ein Freund  von uns kennt sich in Sachen Strom und Stromerzeugung recht gut aus. Ihn haben wir gefragt, wie das nun ist seit Fukushima.
Hier ist seine Antwort:
Ich habe zwei Seiten im Internet gefunden, auf denen man unseren Stromverbrauch in Deutschland optisch anschaulich nachverfolgen kann.

Vorweg ein paar Zahlen zum Verständnis:
Der Strombedarf in Deutschland beträgt in etwa zwischen 30.000 und 60.000 Mega-Watt (MW). Das spaltet sich folgendermaßen auf:
2) ein konventionelles Wärmekraftwerk (Kohle oder Kernkraft) erzeugt in grober Näherung ca. 1.000 MW
3) die INSTALLIERTE Leistung der Windenergie beträgt ca. 28.000 MW (also soviel könnten wir erzeugen, wenn alle Windräder optimal “mit Wind versorgt” sind)
4) die INSTALLIERTE Leistung der Photovoltaik (Solarstrom) beträgt ca. 18.000 MW (also soviel könnten wir erzeugen, wenn alle Solarzellen auf Dächern und in Solarparks optimal “mit Sonne versorgt” sind, also bei einem sonnigen Sommertag mittags und senkrechter Ausrichtung zur Sonne)
5) die INSTALLIERTE Kernenergie-Leistung beträgt ca. 20.500 MW
6) die INSTALLIERTE Kohlekraft-Leistung beträgt ca. 45.000 MW
7) die INSTALLIERTE Gaskraft-Leistung beträgt ca. 12.000 MW (wird allerdings aufgrund des hohen Preises und der Fähigkeit des schnellen Hochfahrens fast nur für Lastspitzen verwendet)
Bis zum 17. März war Deutschland tatsächlich Stromexporteur. Dann wurden aufgrund des Moratoriums 5 der deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet (3 standen zu dem Zeitpunkt sowieso schon still). Seitdem sind wir Stromimporteur.
Bei Strom und Windenergie ist die Steuerung leider etwas schwierig. Wind und Sonne lassen sich nicht steuern. Wenn es bewölkt ist, sinkt die verfügbare Leistung. Maximal können ca. 14.000 der installierten 18.000 MW ins Netz eingespeist werden. Diese Leistung ist also jahreszeit-, tageszeit- und wetterabhängig sowie nicht beeinfluss- und regelbar. Mit Photovoltaik lässt sich derzeit kein Kernkraftwerk ersetzen.
Von der installierten Windenergie werden zu der Zeit ca. 220 MW (also weniger als 1 % der installierten, theoretischen Leistung) eingespeist. Wenn der Wind nicht weht, können wir daraus eben auch keine Energie beziehen. Wasserkraft hat in Deutschland eine installierte Leistung von ca. 10.000 MW, von denen ein relativ hoher Teil auch grundlastfähig ist. Die Wasserkraft ist in Deutschland allerdings fast nicht mehr ausbaufähig.
Wir brauchen aber in Deutschland eine grundlastfähige Stromgewinnung. Quellen die zu jeder Zeit eine bestimmte Strommenge liefern können, unabhängig von Wind, Sonne oder sonstigen nicht beeinflussbaren Faktoren. Egal wie die Lösungen für die Zukunft aussehen, den Strom von Atomkraftwerken im Ausland zu beziehen, halte ich für scheinheilig.
Vielleicht sollten wir einfach mal überlegen, wie wir unser Leben gestalten. Wäre es nicht sinnvoll unser Verbraucherverhalten an die Vorstellung zum Verbrauch anzupassen?

Sonstige Angaben habe ich gegoogelt oder aus Kraftwerkslisten von wikipedia errechnet.

By the way: Gestern, am 11. Mai, sind die beiden Ölkraftwerke (!!!) Ingolstadt 3 und 4 ans Netz gegangen.
Interessanter Artikel:
http://www.zeit.de/2011/17/Kernenergie-Klimaschutz?page=1
viele Grüße, Konrad

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